Radio x Blog – jeden zweiten Montag im Freien Radio Kassel von 19-20 Uhr auf Sendung!

Specials

Sendepause – MonkeyMusicWebradio Vol. 1 [Special]


Großes Ärgernis und neue Medien: Da unser schöner Radiosender momentan umgebaut wird heißt es auch beim MonkeyMusicMovement erst einmal Sendepause. Doch wir wären nicht jung und dynamisch wenn wir nicht im Handumdrehen unser Lieblingsmedium wechseln könnten. Deshalb haben wir uns was überlegt: Statt der üblichen Sendung mit Liedern und Gerede gibt es nun Musik-Streams und Geschreibe, statt einer Stunde Rapmusik gibt es einige Tage ein paar Video- und damit auch Musikempfehlungen vom MonkeyMusicMovement. Das heißt, es gibt drei Videos und dazu ein wenig Text.

Da ich die Ehre habe, den Anfang zu machen habe ich auch gleich drei mehr oder weniger herbstliche Lieder rausgesucht. Ihr wisst ja: Man guckt aus dem Fenster, alles doch eher grau-braun anstatt babyblau-grün, so wirklich viel Sonne sieht man dank zaghaftem Klimawandel auch nicht, man weiß ja auch gar nicht mehr, was man überhaupt anziehen soll, diese Geschichten.

Sentence – Durch die Tür

Geschichten aus dem Ghetto sind ja sowieso immer so eine Sache und an sich auch irgendwie ziemlich 2004. Gerade im Deutschrap sind solche Erzählungen entweder ein seltsames Herbeiwünschen von US-Amerikanischen Klischees oder so krampfhaft-ernst berichtet, dass sie eher Mitleid als Hörgenuss hervorrufen. Ein erfreuliches Gegenbeispiel liefert Sentence a.k.a. Sentino auf dem diesjährig veröffentlichtem Album Stiller Westen. Ich muss zugeben, dass ich darauf anfangs eher die Battle-Tracks gefeiert habe, an denen man merkt, dass Sentence schon das ein oder andere Jahrzehnt an seiner Technik gefeilt hat. Gerade die etwas zurückhaltenderen Lieder über den Struggle in seiner Wahlheimat Warschau haben mich da eher gestört, zumindest bis ich auf den oben anzuschauenden Song Durch die Tür gestoßen bin. Zu hören gibt es auf jeden Fall sehr authentische wirkende Geschichten von einem sehr trist gezeichneten Warschau, bei der man gerne jedes Wort glaubt, weil hier nicht in Klischees gebadet wird. Ethnografie, yo!

Mad Maks ft. Sookee – Krieg in Berlin

Zum Herbst gehört auf jeden Fall auch immer der, Achtung, Achtung, roter Faden, bereits oben erwähnte Struggle. Mit dicker Jacke durch den Regen laufen und Abends lecker Zigaretten auf dem kalten Balkon rauchen und dabei in die Hood schauen – aber natürlich nur mit dem richtigen Soundtrack: Meine Empfehlung ist hier der klassische 2000er-Deutschrap-Boom-Bap, aber eben nicht der sommerliche, wie wir ihn gerne mal diesen Sommer gefeiert haben, sondern mehr diese “Oh-Gott-Gleich-Schneit-Es-Bestimmt-Mukke” mit gediegenen Scratches. Damit ihr ungefähr ahnt, was ich meine, wollte ich eigentlich den 2009 erschienen Song Krieg in Berlin 2 von dem insgesamt ehrlich gesagt eher mäßig bekannten Berliner Rapper Mad Maks posten. Aufgrund eben jener geringen Bekanntheit gibt es den Song jedoch nicht auf Youtube, insofern musste ich auf den Vorgänger Krieg in Berlin zurückgreifen, der deswegen etwas älter ist, aber dafür noch Sookee im Feature hat. Wer den doch etwas regnerischen zweiten Teil hören will muss wohl zum (im Gegensatz zu Sentence) Hauptstadt-verherrlichenden Album Halleluja Berlin von Mad Maks greifen. Das ist sogar auch für Nicht-Berliner empfehlenswert.

Drake ft. Kayne West, Lil Wayne und Eminem – Forever


Bevor jedoch meine herbstlichen Depressionen auf den ein oder anderen Leser oder die ein oder andere Leserin überspringen sollte ich das Ruder vielleicht noch geradeso mit dem großelterlichen Ratschlag, dass man ja in allen Dingen des Lebens seines Glückes Schmied ist herumreißen. Schöner sagt es der gute Lil Wayne im oben aufgeführten Track Forever, gemeinsam mit Drake, Kayne West und Eminem:

Life is such a fucking roller coaster then it drops//
But what should I scream for? This is my theme park//

Ernsthaft – was für ein Satz, definitiv tätowierungswürdig. Früher war eben, Großpapa-Satz Pt. II, so manches besser, zumindest was den Swag von Lil Tunechi angeht. Hier würde ich definitiv dem Complex Magazin beipflichten, welches sich, genau wie ich, ganz gerne mal Gedanken über Rapper macht und diese im Internet postet. Deren Ratschlag: Weezy F. Baby sollte sich vermehrt auf seine früheren Texte besinnen und doch bitte, selbst wenn er nur um die üblichen Groupiegeschichtchen reimt, doch weiterhin so tun, als würde es hier um das philosophisch wichtigste und tiefgreifendste der Welt gehen. Auch wenn, schmutziges Wortspiel, schmutziges Wortspiel, Zweiteres vielleicht auch heutzutage noch zutrifft: Seinen neuen Liedern fehlt leider im hohen Maß genau das. Also, Großpapa weiß es besser Nr. 3, mach das doch bitte einfach mal wieder, lieber Dwayne Carter. Dir wird es besser gehen, und mir erst recht. Das soll aber keinesfalls die textliche Leistung der anderen MCs auf dem Lied abwerten – alle haben definitiv einen nachlesenswerten Text abgeliefert. Seelenstrips und Punchlines – alles für’s Entertainment – Steve O.

Und jetzt schnappe ich mir meinen Gehstock und laufe gebückt dem Sonnenuntergang entgegen…

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